Freitag, 20. Oktober 2017

Unser Konzept

 

 
KONZEPTION

DER   BESSENBACHER
 
„Waldkinder“

 

Gliederung:

1.    Einleitung
2.    Waldkinder Bessenbach e. V.
2.1  Waldkindergarten – „Die Idee“
2.2  Die Entstehung unseres Waldkindergartens
3.    Rahmenbedingungen
3.1  Träger
3.2  Aufgabenverteilung
3.3  Personal-und Gruppengröße
3.4  Aufnahmebedingungen
3.5  Räumliche Gegebenheiten
3.6  Vereinsheim
3.7  Ausrüstung der Fachkräfte
3.8  Ausrüstung der Kinder
3.9  Öffnungszeiten
3.10  Kooperation und Vernetzung
4.      Tagesablauf
5.      Grundlagen unserer pädagogischen Arbeit
5.1    Die Arbeit des Teams
5.2    Natur-und Umwelterziehung
5.3    Sinneswahrnehmung
5.4    Bewegung
5.5    Ruhe und Entspannung
5.6    Sozialerziehung
5.7    Spracherziehung
5.8    Phantasie und Kreativität
5.9    Wissen und Bildung
5.10  Kulturelle Einbindung
5.11 Freies Spiel
5.12 Projekte
5.13 Vorbereitung auf die Schule
5.14 Verhaltensregeln
6.     Unsere Philosophie
6.1   Unsere Sicht des Kindes
6.2   Unser Selbstverständnis als pädagogische Betreuer
6.3   Unsere Stärkung der Kinder
7.     Zusammenarbeit zwischen Waldkindergarten und Elternhaus
7.1   Elterngespräche
7.2   Elternabende
7.3   Elternfeste
7.4   Elternumfrage
7.5   Schaukasten – Wochenrückblicke
7.6   Waldpost
7.7   Schnuppertage
7.8   Eingewöhnung
8.     Integration
 
1. Einleitung:
Jeder, der sich an die eigene Kindheit erinnert, weiß, dass es für die Kinder kaum etwas Schöneres gibt, als sich draußen ohne Zeitdruck und Einengung bewegen zu können.
Die moderne Lebenssituation unserer Kinder im Alter von 3 – 6 Jahren ist vielfach geprägt von Reizüberflutung, Bewegungsmangel, funktionsbestimmten Spielzeug und gelenkten Freizeitangeboten.
Deshalb schicken wir unsere Kinder zur Früherziehung in den Wald, so können diese in selbsttätiger Auseinandersetzung ihre eigenen Fähigkeiten sowie die der Natur kennen lernen. Dabei bilden das spielerische Entdecken und Erkunden  von Pflanzen und Tieren die Grundlage für ein sinnliches Erfahren von Natur und Umwelt. Das situationsorientierte Arbeiten wie es nun auch verstärkt in Regelkindergärten gefördert wird ist im Wald in vollem Umfang möglich.
Der „heimliche Lehrplan“ des Waldes lässt Kinder Wind, Regen, Sonne, Kälte und
Hitze als körperlich spürbare Bestandteile des sich im Laufe der Jahreszeiten verändernden Waldes erleben. Dem kindlichen Aktivitäts-und Erfahrungsdrang kommen die Erlebnisräume in Wald, Feld und Flur in ungewöhnlicher und so nahe liegender Weise entgegen. Wissensdurst, Lernbereitschaft und Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur entstehen da ganz von alleine.
Kinder für die Umwelt zu sensibilisieren muss ein zentrales Anliegen von uns
allen sein, damit diese Generation die Beziehung zur Natur wieder als Grundwert
für das Leben verinnerlicht. Der Wald bietet auf seine natürliche Weise die
günstigsten Bedingungen für eine gesunde körperliche, geistige und seelische
Entwicklung unserer Kinder.
2. Waldkinder Bessenbach e. V.
2.1 Waldkindergarten – „Die Idee“
Die Idee „Kinder im Wald“ kommt ursprünglich aus Dänemark. Dort schlossen sich einige Eltern einer Mutter an, die mit ihren eigenen Kindern viel im Wald unternahm. Erst viele Jahre später wurde der erste staatlich anerkannte Kindergarten im Flensburg gegründet. In der Zwischenzeit haben sich viele verschiedene Konzepte entwickelt, die alle zum Ziel haben, den Kindern ein Erleben der Natur zu ermöglichen.
In Deutschland gibt es bereits mehr als 300 Einrichtungen, die nach dem Prinzip der Waldpädagogik arbeiten.
Unsere Kinder wachsen in einer Gesellschaft auf, in der Schlagwörter wie Hyperaktivität, Gleichgewichtsstörungen, Übergewicht, Sprachstörungen..... schon zum normalen Alltag dazu gehören. Eine Ursache dieser seelischen Verarmung liegt am Bewegungsmangel und der Naturentfremdung begründet.
Hierfür dient das Prinzip des Waldkindergartens, durch seine freie Bewegungsentfaltung in der Natur, vor allem als vorbeugende Maßnahme.
Die pädagogische Arbeit findet unter freiem Himmel statt. Die zwei – bis sechsjährigen Kinder erleben den Vormittag im Wald, auf Wiesen und Feldern und mit den Tieren.
Durch die vielfältigen Spiel-und Gestaltungsmöglichkeiten, die uns der Erlebnisraum „Wald“ bietet, erfahren unsere Kinder eine gesunde körperliche, geistige und seelische Entwicklung.
2.2 Die Entstehung unseres Waldkindergartens
Die Elterninitiative „Waldkinder Bessenbach e. V.“ wurde im Jahr 2000 von 10 Bessenbacher Familien als gemeinnütziger Verein ins Leben gerufen.
Der Kindergartenbetrieb begann im Juni 2001 mit einer Gruppengröße von 16 Kindern. Die Gruppe wurde von einer Erzieherin und einer Mutter im Elterndienst begleitet.
Während der ersten drei Jahre basierte die Finanzierung allein auf Elternbeiträgen und Spendengeldern. 2004 erreichte der Waldkindergarten die staatliche Anerkennung und wird seither bezuschusst.
 
3. Rahmenbedingungen
3.1 Träger
Der Waldkindergarten ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein und entstand im Jahre 2000 aus einer Elterninitiative heraus (s.o.).
Die Finanzierung erfolgt über Kindergarten-und Mitgliedsbeiträge, Spenden, Zuschüsse von Gemeinden, dem Freistaat Bayern sowie dem Verein „Waldkinder Bessenbach e. V.“
3.2 Aufgabenverteilung der Vereinsmitglieder
Der Vorstand:
-Finanzen, Haushaltsplan
-Personalgespräche
-Schaffung und Gestaltung des strukturellen Rahmens des
Waldkindergartens
-Öffentlichkeitsarbeit
Die Eltern:
-Organisation und Mitgestaltung von öffentlichen Veranstaltungen
-Elterndienste im Krankheitsfall eines Erziehers
Durch das Projekt „Elterninitiative“ kann sich jeder entsprechend seiner
Fähigkeiten und Interessen am Waldkindergarten beteiligen.
3.3 Personal-und Gruppengröße
Das pädagogische Team besteht aus 1 Erzieherin, 1 Heilpädagoge, 1  Waldpädagogin und 2 Ergänzungskräfte. Bei einer Gruppengröße bis zu max. 22 Kindern sind grundsätzlich drei BetreuerInnen anwesend. Die Anwesenheit einer ausgebildeten Fachkraft ist obligatorisch. Bei einer größeren Anzahl von Kindern in der Gruppe sind mindestens drei BetreuerInnen anwesend. Bei einem Ausfall einer BetreuerIn kann auf die Elterndienste zurückgegriffen werden.
In unserem Waldkindergarten finden sowohl JahrespraktikantInnen in der Ausbildung zur ErzieherIn, sowie KurzzeitpraktikantInnen verschiedener pädagogischer Ausbildungen (Kinderpflege, Naturpädagogik....) einen Praktikumsplatz.

 

 3.4 Aufnahmebedingungen:
Bei der Aufnahme bei uns im Waldkindergarten spielt vor allem der Einzugsbereich eine große Rolle. Die Sitzgemeinde des Waldkindergartens ist Bessenbach, deshalb werden Kinder aus Bessenbach vorrangig aufgenommen. Grundsätzlich werden auch Kinder aus naheliegenden Gemeinden aufgenommen, sofern von der jeweiligen Heimatgemeinde eine Zuschussbewilligung erfolgt.

Die Kinder sollen bei ihrer Aufnahme um die drei Jahre alt sein. Sollte das Kind noch nicht „sauber“ sein, so wechseln wir gerne zwischendurch einmal die Windeln.
 
3.5 Räumliche Gegebenheiten:
Das Waldstück, zu dem die Kinder täglich aufbrechen, liegt oberhalb des Straßbessenbacher Grillplatzes. Dieses grenzt an einen ehemaligen Steinbruch an, der zur Zeit vom DAV als Klettergarten genutzt wird.
Auf dem Weg dorthin liegen rechts Wiesen und links beginnt der Wald, wo sich unsere Kinder einen kleinen Kletterberg „angelegt“ haben.

Ein Hohlweg führt direkt zum eigentlichen Waldplatz, wo auch der Bauwagen als Schutz-und Anlaufstelle jedes Waldtages steht. Das Gelände bietet durch seine Hügeligkeit und dem Mischwaldbewuchs vielfältige Möglichkeiten.

Der Bauwagen besteht aus zwei Räumen, dem Aufenthaltsraum und dem
Material-und Garderobenraum.
Er ist mit einem Holzofen (inkl. Kochen Backen) und Beleuchtung ausgestattet und bietet uns so
Schutz bei Regen und Kälte.

3.6 Vereinsheim
In der alten Volksschule in Oberbessenbach hat der Verein einen ehemaligen Klassenraum angemietet, der der Waldgruppe bei extremen Witterungsverhältnissen zur Verfügung steht. Ebenso wird er für besondere Aktionen wie z. B.: das Schultüten basteln genutzt.
Die Eltern nutzen den Raum für Elternabende, Jahreshauptversammlung, gemeinsame Bastelaktionen sowie für das Elternfrühstück, das einmal im Monat
statt findet.
3.7 Ausrüstung der Fachkräfte
Die Standardausrüstung unseres Bollerwagens beinhaltet:
-Handy mit Nummern des Notarztes, der Giftzentrale und der Eltern
-Erste-Hilfe-Box
-Wasser und Tee
-Ersatzkleidung für die Kinder
-„Töpfchen“
-Klopapier, Schaufel und Tüte für den Toilettengang
-Bestimmungsbücher für Pflanzen und Tiere
-Werkzeuge wie Messer, Säge und Schnüre
-Im Winter: Ersatzhandschuhe!
-Digitalkamera
3.8 Ausrüstung der Kinder
Jedes Kind ist mit seinem eigenen Rucksack ausgestattet, den es auch selber
trägt. Darin befindet sich eine gesunde Vesper, Trinkbecher, Taschentücher und
im Winter Ersatzhandschuhe.
Die Kinder tragen der Jahreszeit und den Wetterverhältnissen entsprechende
Kleidung und Schuhwerk.
3.9 Öffnungszeiten (Stand April 2010)
Unser Kindergarten betreut die Kinder Montags bis Freitags von 8:00 Uhr

12:30 Uhr und in einer verlängerten Gruppe bis 14 Uhr.
Der Betreuungsbedarf wird in jährlichen Umfragen bei der Elternschaft
ermittelt. Der Vorstand legt die Öffnungszeiten in Abwägung der finanziellen
Leistungsfähigkeit der Einrichtung (Höhe der öffentlichen Zuschüsse sowie ein
akzeptables Niveau der Elternbeiträge) und gemäß dem Betreuungswunsch der
Eltern fest. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine Ganztagesbetreuung im Wald
in der kalten Jahreszeit nicht sinnvoll ist.

Ferien:
Unser Waldkindergarten schließt im Jahr maximal 30 Werktage. Davon sind drei
Wochen Sommerferien, zwei Wochen Weihnachtsferien und eine Woche jeweils
in den Oster-und Pfingstferien.

3.10 Kooperation und Vernetzung
Der Waldkindergarten Bessenbach e. V. pflegt vielfältige Kontakte zu anderen
Institutionen wie z. B.:
-Frühförderstelle
-Beratungsstellen und Therapeuten
-Grundschule Bessenbach
-Arbeitskreis Waldkindergärten im Großraum Aschaffenburg
-Fachschule für Kinderpflege
-Fachakademie für Sozialpädagogik
-örtliche Kindergärten
-Kreisjugendamt
 
4. Tagesablauf
Unser Morgen beginnt um 8.00 Uhr mit einem Treffen von Waldkindern, Eltern
und BetreuerInnen am Straßbessenbacher Grillplatz.

Seite 10 Konzeption Waldkinder Bessenbach e.V.Nach einer kurzen Begrüßungs-und Austauschzeit werden die Eltern
verabschiedet und die Gruppe geht gemeinsam zu unserer Morgenkreiswiese.
Im Morgenkreis findet die Gruppe gemeinsam heraus, wie viele Kinder da sind,
wer fehlt und weshalb dieses Kind heute nicht da ist. Zur Begrüßung in der
Gruppe singen wir gemeinsam ein Morgenlied.

Anschließend machen sich dann alle auf den Weg zur „Wiese“ am Kletterberg.
Hier ist der nächste feste Treffpunkt. Hier gibt es genügend Raum und Zeit
allerhand zu entdecken. Jedes Kind bestimmt sein eigenes Tempo, denn
unterwegs gibt es immer eine Menge zu entdecken. Wir begegnen Schnecken,
Käfern und Regenwürmern und zwischendurch sammeln wir schöne Steine und
Stöcke.

An diesem Treffpunkt haben die Kinder Freispielzeit am Kletterberg und auf der
Wiese. Sie nutzen diese für intensive Rollenspiele, klettern und balancieren oder
sie nutzen Angebote wie Kreis-und Bewegungsspiele.

Gegen 09.30 Uhr machen wir uns auf dem Weg zu unserem eigentlichen
Waldgrundstück mit dem Bauwagen.
Oben angekommen waschen wir zunächst mit dem mitgebrachten Wasser unsere
Hände. Nach dem Frühstücksspruch packen die Kinder ihr Vesper aus und wir
lassen es uns schmecken.
An kälteren Tagen dauert das Frühstück meist nicht so lange, da wir uns ganz
schnell wieder Bewegen müssen, um warm zu bleiben.

An wärmeren Tagen sitzen wir dagegen bis zu einer dreiviertel Stunde
zusammen. Dabei finden oft sehr intensive Gespräche statt. Bei Regen
frühstücken wir unter einer Plane und bei Kälte im gemütlichen Bauwagen.
Die Frühstückszeit beenden wir gemeinsam mit Finger-oder Kreisspielen.

Nach dem Frühstück nehmen das Freispiel und angeleitete Aktivitäten zu
unseren aktuellen Projekten und Themenschwerpunkten (meist in Kleingruppen)
einen wichtigen Raum ein.

Wenn um 12 Uhr die Glocken im Dorf läuten heißt dies für uns, den Vormittag zu
beenden. Wir packen unsere Rucksäcke, räumen unseren Platz auf und treffen
uns an der „großen Wurzel“.

Nach einer gemeinsamen Abschlussrunde, in der jeder kurz erzählen darf, was
er heute gut bzw. nicht so gut fand, singen wir noch ein Abschiedslied.
Am Grillplatz angekommen erwarten die Eltern ihre meist schmutzigen und mit
Schätzen (Stöcke, Wurzeln, Steine...) beladenen Kinder.

Verlängerte Gruppe:

Für jeden Wochentag bieten wir eine verlängerte Öffnungszeit bis 14 Uhr an.
Die Eltern können ihre Kinder flexibel für dieses Angebot anmelden.
Nach einem zweiten Vesper, gibt es für die Kinder wechselnde Angebote mit
verschiedenen Materialien.


5. Grundlagen unserer pädagogischen Arbeit
5.1 Die Arbeit des Teams
„Die Arbeit läuft dir nicht davon, wenn du deinem Kind den Regenbogen zeigst.
Aber der Regenbogen wartet nicht, bis du mit der Arbeit fertig bist.“
(Altes chinesisches Sprichwort)
 

Das Team gestaltet die Planung und Durchführung des Kindergartenalltags.
Das Arbeiten in der freien Natur wird von den unterschiedlichsten Faktoren wie

z.B. das Wetter, Schafe auf der Wiese, Mäharbeiten... beeinflusst. Es ist im
Gegensatz zum Arbeiten in geschlossenen Räumen sehr schlecht plan-und
prognostizierbar.
Wichtig im Waldkindergarten ist eine offene Planung um spontan auf veränderte
Gegebenheiten und die verschiedenen Interessen der Kinder eingehen zu können.

Natürlich haben wir auch einen festen Wochenplan, der in den wöchentlichen
Teamsitzungen erarbeitet wird. Ebenso finden hier Terminabsprachen, Vor-und
Nachbereitungen von Elterngesprächen, Beobachtungs-und
Informationsaustausch der einzelnen Kinder und der Gruppendynamik,
Problemanalyse und der gemeinsamen Suche nach Lösungen statt...

5.2 Natur-und Umwelterziehung
Im Wald erleben die Kinder die Natur unmittelbar. Durch das Leben und
Beobachten in der Natur erhalten die Kinder ein sehr umfangreiches Wissen. Sie
lernen, wie sich die Knospe eines Apfelbaumes zur Blüte und Frucht entwickelt.
Sie lernen den Lebensraum und das Aussehen der Waldtiere und Insekten

kennen. Pflanzen werden benannt, bestaunt und verarbeitet, z. B.: die
Brennnessel – die brennt und kann aber gleichzeitig als Tee genutzt werden.

Durch den täglichen Aufenthalt im Freien erleben die Kinder ganz intensiv den
Wechsel der Jahreszeiten, sie sehen die Veränderungen bei den Tieren, Bäumen
und Pflanzen.

Sie lernen den Umgang mit der Natur und werden aus dieser ganzheitlichen
Erfahrung sensibilisiert für die Achtung und Wertschätzung der Natur. Durch
das unmittelbare Erleben (wie z. B. herumliegender Müll im Wald) wird das
ökologisches Bewusstsein geschult, das wir in der heutigen Zeit dringend
brauchen.
Wir nehmen uns Zeit auf die Beobachtungen der Kinder einzugehen und ihren
Wissensdurst z. B. an Hand von Bestimmungsbücher zu stillen.
Ebenso lassen wir die Kinder an unseren Beobachtungen (z. B. Knabberspuren an
Nüssen oder Zapfen) teilhaben und sensibilisieren sie so zum genauen
Hinschauen.

5.3 Sinneswahrnehmung
Die Kinder erleben den Vormittag im Wald mit all ihren Sinnen. Durch die
unerschöpflichen Eindrücke der Natur wird die Wahrnehmungsfähigkeit und
Intelligenz unserer Kinder gefördert.

Hören:

Die Stille der Natur lässt die Kinder horchen und lauschen.

Die Kinder sind kaum abgelenkt durch „Fremdgeräusche“ und besinnen sich so
auf die leisen Töne der Tiere im Wald, dem rascheln der Blätter, ein prasselnder
Regenguss...

Fühlen:

Sie spüren die Temperaturunterschiede und den Wind auf ihrer Haut. Die
haarige Raupe, der raue Tannenzapfen, die feinen Blütenblätter, die stacheligen
Sträucher, die gefurchte Baumrinde, das weiche Moos, der glatte Stein, der
glitschige Lehm – das alles regt die Wahrnehmung durch die Haut an.

Schmecken:
Wie unterschiedlich schmecken denn die verschiedenen Apfelsorten von der
Streuobstwiese, die die Kinder haben heranreifen sehen? Oder die Tomatensoße
mit den frischen Kräutern aus dem Beet, dass wir selber angepflanzt haben? Und
natürlich nicht zu vergessen die Kartoffeln aus eigenem Anbau?

Riechen:

Im Wandel der Jahreszeiten treten verschiedene Gerüche auf, denen die Kinder
gerne nachgehen: der moosige Waldboden, ein frisch geschnitzter Stock, die
Blumen auf der Wiese, die Kräuter in unserem Beet, der harzige Ast...

Sehen:

Die vielfältigen Formen und Farben der natürlichen Umgebung wirken beruhigend
auf die Seele. So können die bunten Herbstblätter, der graue Regenhimmel, das
frische Grün der sprießenden Blätter, der schillernde Regentropfen in einem
Spinnennetz, den die Sonne anleuchtet..., positiv auf unsere Kinder wirken.

Gleichgewicht:

Der unebene und verschiedenartige Waldboden stellt hohe Anforderungen an
den Gleichgewichtssinn der Kinder. Das anfängliche Stolpern über Hindernisse
verändert sich durch die ständigen Herausforderungen im Freien. Die Kinder
meistern bald mit einer großen Selbstverständlichkeit die Unebenheiten des
Wald-, Feld-und Wiesenbodens.

5.4 Bewegung
Bewegung ist für alle Kinder eine gewünschte Form der Lebendigkeit – ein
unverzichtbares Grundbedürfnis.
Kinder drücken ihre Gefühle mit ihrem ganzen Körper aus und umgekehrt regt
Bewegung ihre Gefühle an. So ist Bewegung eine wichtige Brücke zwischen der
Außenwelt und seiner inneren Befindlichkeit.

Die natürlichen Gegebenheiten des Waldkindergartens bringen beste
Voraussetzungen für eine gute motorische Förderung mit sich.
Der Wald hält ein anregendes Bewegungsangebot für die Kinder bereit. Sie
werden ermutigt auf Hügel und Bäume zu klettern, auf Baumstämmen zu
balancieren und über Steine und Wurzeln zu springen.
Auf diese Weise können sie emotionale Anspannungen lösen und so ihre innere
Balance finden.

5.5 Ruhe und Entspannung
Stille und Ruhe sind in der heutigen Zeit ungewohnt und deshalb von
unschätzbarem Wert. Die Möglichkeit, ohne störende Reize von Außen genau
hinzuhören und ohne Eile zu beobachten, schafft Raum für Gelassenheit und
Ruhe, fördert das Wohlbefinden und die innere Ausgeglichenheit, sowie die
Konzentrationsfähigkeit.

Kinder sind von Natur aus meditativ, sie sprechen mit Tieren und Steinen und
sind verbunden mit allem, was sie umgibt. Sie fühlen -bevor sie mehr und mehr
lernen, den Verstand zu gebrauchen.

Die Atmosphäre und Umgebung des Waldkindergartens lädt die Kinder dazu ein,
in Ruhe und Gelassenheit den Vormittag zu verbringen. Denn Ruhe beginnt nicht
nur mit Stille, sondern auch mit der Wirkung von Räumen.

Der Wald bietet den Vorteil, dass die Kinder in aller Ruhe, fast ohne Reize von
außen, in ihr Spiel versinken können. Dies schafft die Voraussetzung sich auf
Situationen einzulassen, Beobachtungen zu vertiefen, Gesamteindrücke in
Einzelteile zu zerlegen und vor allem Einzelheiten eines Ganzen zu bemerken.

5.6 Sozialerziehung
Nur im Kontakt und im Spiel mit anderen Kindern erlernt das Kind
Sozialkompetenz, die es sein ganzes Leben lang benötigt.

Der Wald lädt zum Spielen ein. Doch bei vielen Aktionen sind die Kinder auf die
Hilfe des Anderen angewiesen. So lässt sich ein langer Ast besser zu zweit
transportieren oder eine steile Böschung lässt sich mit einer helfenden Hand
leichter erklimmen.

Da wir auf vorgefertigtes Spielzeug verzichten, konzentriert sich das Spiel auf
das miteinander Tun.
In der Gemeinschaft erleben die Kinder fast täglich Situationen bei denen sie
lernen müssen sich durchzusetzen, abzugrenzen, einander zu helfen und
Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen.
Bei Konflikten haben die Kinder die Möglichkeit selbst nach konstruktiven
Lösungen zu suchen und wir geben bei Bedarf Hilfestellung.

5.7 Spracherziehung
Ab dem Erwerb der Sprache suchen Kinder die Kommunikation. Wir nehmen uns
Zeit für intensive Gespräche, gehen auf die Erzählungen der Kinder ein,
motivieren sie durch aktives Zuhören sich differenziert auszudrücken.

Das freie Sprechen in der Gruppe wird täglich bei unseren Zusammenkünften im
Morgen-bzw. Abschlusskreis sowie in der Kleingruppe gefördert.
Beim erzählen von Geschichten und Bilderbüchern, den Fingerspielen werden
unter anderem Wortschatz, Satzbau, Sprachrhythmus und das Sprechen in
ganzen Sätzen geübt.

Bei Bedarf bieten wir zur Unterstützung der Sprachentwicklung einmal
wöchentlich logopädische Frühförderung in der Kleingruppe an. In spielerischer
Form trainieren die „Mundturner“ die Mundmotorik sowie die genaue Aussprache.

5.8 Phantasie und Kreativität
Ohne vorgefertigtes Spielzeug sind die Kinder gefordert, über ihre Ideen
nachzudenken und sie kreativ umzusetzen. Das für das Spiel benötigte Material
muss erst entdeckt und einer neuen Funktion zugeordnet werden. Mit
entsprechenden Hilfsmitteln unterstützen wir sie, ihre Vorstellungen in die
Realität umzusetzen.

Wir ermöglichen den Kindern den freien Zugang zu Werkzeugen, Nägeln,
Schnüren... sowie die benötigte Zeit, sich im Umgang auszuprobieren und sich so
ihre eigene Spielwelt zu erschaffen.
Dabei ist uns wichtig die Ästhetik der Natur zu vermitteln.

Eine große Wurzel kann ein Flugzeug oder ein Lastwagen sein, aus einem Stock
wird eine Angel oder eine Kettensäge, aus einem Stück Rinde wird ein Handy
geschnitzt....
Die Kinder entdecken mit ihrer Phantasie in Wurzeln kleine Feuerdrachen,
Eidechsen und ähnliches.
5.9 Wissen und Bildung
Kinder lernen anders als Erwachsene. Sie müssen zuerst sehen, berühren und
erleben, bevor sie Erklärungen aufnehmen können. Wir regen die Kinder zu
genauem Beobachten und Fragen an.

Das Ausprobieren ihrer Fähigkeiten und das Erkunden der Umwelt entwickelt in
den Kindern eine natürliche Neugier und motiviert zum Lernen.
Uns ist es wichtig, diese Wissbegierde ernst zu nehmen und durch gezielte
Aktivitäten Antworten zu ihren Fragen zu geben.

5.10 Kulturelle Einbindung
Die großen Feste des Kirchenjahres wie Ostern, St. Martin, Nikolaus und
Weihnachten werden auch bei uns für die Kinder erlebbar gemacht und
gemeinsam gefeiert, denn sie gehören zu unserer Kultur.

Die kulturelle Einbindung erstreckt sich aber auch auf Theaterbesuche. Ebenso
wird mit dem Oberbessenbacher Kindergarten und dem Vereinsring das Fällen
und Schmücken des örtlichen Maibaums gemacht, sowie die Mitgestaltung des
Weihnachtsmarktes.

5.11 Freies Spiel
Spielen ist die ursprüngliche Lebensenergie und damit eine Grundvoraussetzung
für Lernen und Leben. Jedes Kind kommt mit diesem natürlichen Bedürfnis auf
die Welt.

Gerade in unserer Zeit der Reizüberflutung und des enormen Konsums brauchen
Kinder Zeit für sich selbst. Deshalb nimmt das Freispiel bei uns einen besonders
hohen Stellenwert ein. Im Spiel werden Erlebnisse, Gefühle und Erfahrungen
verarbeitet. Das Kind hat freie Entscheidung über Ort, Dauer, Inhalt und
Auswahl des Spielpartners.

Gerade Kindern, die es gewohnt sind, in ihrem Spiel sehr stark von Erwachsenen
animiert zu werden, fällt es anfangs schwer sich selbst etwas zum Spielen
auszudenken. Hierbei sind der Kontakt mit den anderen Kindern und die
Hinführung der pädagogischen Fachkräfte zum eigenständigen Spiel sehr
wichtig.
Im Freispiel findet im besonderen Maße soziales Lernen statt, die Kinder
unterstützen sich gegenseitig bei Lösungsversuchen verschiedenster Art.
Gerade für größere Kinder wird auch das von Erwachsenen unbeobachtete Spiel
immer wichtiger. Sie möchten vermehrt eigene Erfahrungen machen und
erhalten diesen Freiraum auch, allerdings nur in Absprache mit uns Betreuern.

Diese Zeit nutzen wir zur intensiven Beobachtung einzelner Kinder und zur
Erfassung gruppendynamischer Prozesse.
5.12 Projekte
Für das lebensnahe Lernen eignet sich besonders gut die Projektarbeit, da sie
eine vielseitige und zusammenhängende Auseinandersetzung mit
unterschiedlichen Themen und Sachverhalten ermöglicht. Hierbei werden über
einen längeren Zeitraum zu einem bestimmten Thema, das die Kinder besonders
interessiert oder sich im Zusammenhang ergibt, immer wieder neue
Informationen beigesteuert.

Bei der Erarbeitung eines Projektes achten wir darauf, dass möglichst viele
Bildungsziele (wie Förderung der Fein,-und Grobmotorik, Entwicklung der
Sprachkompetenz, Wissensvermittlung und der musischen Erziehung) erreicht
werden.

5.13 Vorbereitung auf die Schule
Die Entwicklung der Schulreife beginnt nicht im letzten Kindergartenjahr,
sondern sie beginnt mit der Geburt. Alles was ein Kind in dieser Zeit lernt, trägt
zu seiner Schulreife bei.

Hier ein Auszug aus der Doktorarbeit von Peter Häfner zum Thema:
„Natur-und Waldkindergärten in Deutschland -Eine Alternative zum
Regelkindergarten in der vorschulischen Erziehung“:

„...Grundsätzlich werden die Kinder, die als vorschulische Einrichtung einen
Waldkindergarten besucht haben, als besser auf die Schule vorbereitet
angesehen, als die Kinder aus dem Regelkindergarten. Im Durchschnitt arbeiten
die Waldkindergartenkinder im Unterricht besser mit, sind motivierter und
konzentrierter in der Schule und sie verfügen über ein höheres Maß an sozialen
Kompetenzen, das sie im Klassenverband anwenden können. Des Weiteren
schneiden sie im musischen und im allgemeinen körperlichen Bereich besser ab
als ihre Mitschüler.

Gerade in der ersten Klasse, die einen äußerst prägenden Charakter für die
gesamte weitere schulische Laufbahn haben wird, ist ein gelungener Start von
Beginn an von besonderer Bedeutung. Von seiner Struktur und seinem Aufbau
her ist ja zunächst der Regelkindergarten den schulischen Gegebenheiten
ähnlicher. Der tägliche Umgang zwischen Erziehenden und zu Erziehenden in einem Regelkindergarten ist wie in der Schule geprägt von klaren Anweisungen
und Vorgaben. Im Waldkindergarten ist das meist weniger der Fall. Sicherlich
gibt es auch dort klare Anweisungen und Regeln, die von den Kindern einzuhalten
sind, grundsätzlich lässt man ihnen jedoch viel mehr Raum und Zeit dafür, sich
selbst zu verwirklichen. Diese „Freiheit“ fördert offensichtlich die
Eigenständigkeit der Kinder in noch stärkerem Maße als der „schulverwandtere“
Regelkindergarten.

Daneben stehen im Waldkindergarten verstärkt reformpädagogische Grundzüge
wie die Förderung der Eigenverantwortlichkeit, ganzheitliches und entdeckendes
Lernen, die Umwelterziehung und das Lernen aus praktischer und sozialer
Anschauung im Fordergrund: Hochgelobte Eigenschaften, deren Förderung in
der breiten Schullandschaft seit beginn der reformpädagogischen Bewegung
Anfang des letzten Jahrhunderts immer noch auf sich warten lässt. Eines
jedoch sollte auf jeden Fall klar gesehen werden: Je mehr die Schule in Richtung
der Förderung von Verantwortlichkeit, Eigenständigkeit und Individualität
unsere Kinder entwickeln muss, desto höher ist auch der Stellenwert, der im
Hinblick auf die vorschulischeVorbereitung unserer Kinder den
Waldkindergärten beizumessen ist. ...“

Wir möchten das letzte Jahr im Kindergarten nutzen, die Kinder in ihren
Stärken besonders zu unterstützen, aber auch individuelle Schwächen entgegen
zu wirken.
Gemeinsam mit den Vorschülern vertiefen wir gegebene Bildungsziele zu unseren
Aktivitäten und Projekten.
Zusätzlich finden einmal wöchentlich gezielte Angebote zur Erarbeitung des
Zahlenraumes bis 10, Formen und Mengen vergleichen usw. statt.
Ab Februar finden täglich Übungen zum phonologischen Bewusstsein statt.

5.14 Verhaltensregeln
Im Waldkindergarten gibt es wohl weniger Regeln als in Regelkindergärten. Um
aber mögliche Gefahren zu minimieren und um mit der Natur respektvoll
umzugehen, gelten für die Kinder folgende Verhaltensregeln:


An den „Warteplätzen“ muss unbedingt Halt gemacht werden.

Die Kinder bleiben in Hör-und Sichtweite. Sie müssen um Erlaubnis
fragen, um weiter weg gehen zu dürfen.

Die Kinder antworten, wenn sie gerufen werden.

Die Äste dürfen beim Spielen nur so lang wie der eigene Arm sein.

Die Kinder arbeiten nur unter Aufsicht mit Werkzeugen.

Tierkadaver und Kot werden nicht angefasst.

Wir gehen respektvoll mit Insekten, Schnecken usw. um.

Wir reißen nicht mutwillig Äste und Blätter von lebenden Bäumen.

Wir werfen nicht mit Steinen.

Wir lassen keinen Abfall im Wald zurück.

Wir essen nur im Beisein eines Erwachsenen Beeren und Früchte aus dem
Wald.
6.Unsere Philosophie

6.1 Unsere Sicht des Kindes
Die Kinder erfahren unseren Respekt und unsere Achtung zu aller erst dadurch,
dass wir sie als Person in ihrer Individualität wahrnehmen, annehmen und
stärken. Uns ist es äußerst wichtig, dass unsere Kinder soziale Kompetenzen, ein
gesundes Potential an Selbstbewusstsein und Autonomie erwerben, um
selbstsicher, klar, authentisch, konfliktfähig und freundlich in die Welt zu
gehen.

6.2 Unser Selbstverständnis als pädagogische Betreuer
Besonderen Wert legen wir auf die emotionale Beziehung der Kindern zu uns.
Wir wollen nicht unnahbar sondern „greifbar“ sein. Wir erleben die Tage
gemeinsam mit den Kindern, das bedeutet für uns:

-Wir nehmen uns viel Zeit für die Gespräche mit den Kindern um ihre
Stimmungen aufzugreifen.

-Wir nehmen die Kinder ernst, wollen sie verstehen, trösten sie, wenn
sie traurig sind, heitern sie auf, wenn sie einen schlechten Tag haben.
Sie kommen zum Kuscheln, wenn sie müde sind oder einfach ein
bisschen Nähe und Geborgenheit brauchen.

-Wir nehmen Anteil an ihrem Leben und die Kinder erfahren dadurch,
dass wir auch Teil ihres Lebens sind.
-Wir teilen mit ihnen ihre Entdeckungen, ihre Begeisterung, greifen
diese auf und unterstützen dadurch ihre Neugierde.
6.3 Unsere Stärkung der Kinder
Die Kinder genießen bei uns bestimmte Freiräume. Sie bekommen stets die
Möglichkeit sich auszuprobieren und werden nicht klein gehalten mit
Bemerkungen wie: „Das kannst du noch nicht“ – „Dazu bist du noch zu
klein“. Wir ermutigen die Kinder ihre Fähigkeiten zu entdecken und
weiterzuentwickeln. Dadurch erleben sie ihre eigenen Grenzen zu
akzeptieren.

Das Vertrauen in ihre Leistungen macht die Kinder stark und ist letztendlich
auch die Voraussetzung für eine Leistungs-und Anstrengungsbereitschaft im
Leben.

7. Zusammenarbeit zwischen Waldkindergarten und Elternhaus
Wir sehen die Eltern als kompetente Partner in allen Erziehungsfragen an.
Vertrauen, Ehrlichkeit, Toleranz und gegenseitiger Respekt sind für uns
unabdingbar.
Für uns ist es wichtig mit den Eltern zusammen zum Wohle des Kindes zu
arbeiten und sie in allen Erziehungsfragen zu begleiten.
Wir heißen Eltern herzlich willkommen die Mitgestalten, Eigeninitiative
entwickeln und ihre Anliegen offen zur Sprache bringen.
7.1 Elterngespräche
Ein regelmäßiger Austausch mit den Eltern stärkt die Vertrauensbasis und
tragen dazu bei Erfahrungen und Beobachtungen auszutauschen. Bei etwaigen
Problemen suchen wir gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten und unterstützen
hierbei die Eltern Sicherheit im Umgang mit dem Kind zu erlangen.

Die kurzen „Tür-und Angelgespräche“ sind selbstverständlich für einen kurzen
Informationsaustausch bei der Übergabe der Kinder jeden Tag möglich. Diese
Gespräche sind uns besonders wichtig, da wir dadurch einen aktuellen Überblick
über die momentane Lebenssituation des Kindes kriegen. Das Kind erfährt
dadurch, dass wir ein Teil seines Lebens sind.

Längere Eltern-und Beratungsgespräche werden einmal jährlich, bei Bedarf
natürlich auch öfter, geführt.

7.2 Elternabende
Es gibt mindestens drei Elternabende pro Jahr.

In den gruppenbezogenen Elternabenden geht es darum, den Kindergartenalltag
transparent zu machen, über unsere pädagogische Arbeit zu informieren und
Organisatorisches abzuklären.

Bei dem themenbezogenen Elternabend werden spezielle Themen (z. B.
Erziehungsfragen) die von den Eltern teilweise gewünscht werden, behandelt.
Hierfür wird meistens ein Gastreferent eingeladen, um die pädagogischen
Inhalte zu beleuchten.

7.3 Elternfeste
Neben dem öffentlichen „Vereinswaldfest“, finden etwa viermal im Jahr kleine,
interne Familienfeste statt.

Diese liegen uns besonders am Herzen, da sie den nötigen Raum für ein
gemeinsames Kennen lernen und zusammen Spaß haben geben. Unter den Eltern
entwickelt sich hierbei immer ein schönes Gemeinschaftsgefühl und sie kriegen
somit die Gelegenheit unsere Waldatmosphäre zu erleben.

. Entwicklung von Verantwortungsgefühl gegenüber dem Projekt
„Waldkindergarten“

7.4 Elternumfrage
Jährlich erarbeiten wir eine große Elternumfrage um die Zufriedenheit,
die Bedürfnisse der Eltern und Kinder zu analysieren, sowie unsere Qualität der
Arbeit zu überprüfen.

7.5 Schaukasten -Wochenrückblick
Die Eltern können sich an Hand eines Wochenrückblickes, der einmal wöchentlich
im Schaukasten ausgehängt wird, über unsere aktuellen Aktivitäten informieren.
Somit ermöglichen wir den Eltern eine Transparenz unserer Arbeit.

7.6 Waldpost
Vier mal im Jahr erscheint unsere Waldpost.
Unsere Waldpost dient dazu:

-einen Einblick zu geben, über das was uns beschäftigt
-sie gibt Termine und Einladungen bekannt
-sie gibt Bastel-und Beschäftigungsideen für zu Hause
-sie informiert über Fortbildungen, usw.
-sie enthält aktuelle Fachartikel rund um Kinder, Eltern und Erziehung

7.7 Schnuppertage
Um Einsicht in den Kindergartenablauf zu erhalten, können die Eltern nach
Absprache jederzeit einen Vormittag mit uns im Wald verbringen.

7.8 Eingewöhnung
Der Eintritt in den Kindergarten ist ein wichtiger Schritt für das Kind und auch
von großer Bedeutung für die Eltern. Das Kind verlässt (vielleicht zum ersten
Mal) das Elternhaus und wendet sich anderen, zunächst fremden Menschen zu.
Ein solcher Ablösungsprozess soll behutsam geschehen und gut begleitet werden.

Aus diesem Grund besuchen Eltern und Kind vorher den Waldkindergarten um
den Einstieg zu erleichtern und den Alltag im Kindergarten und die
BetreuerInnen kennen zu lernen. Hierbei gehen wir individuell auf die
Bedürfnisse des Kindes ein und halten Rücksprache mit den Eltern.
Es gibt keine absoluten Regeln bezüglich des Übergangs, da die Kinder diesen
Schritt ganz unterschiedlich bewältigen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die
Kinder sich in der Regel sehr schnell eingewöhnen und sich im Wald wohl fühlen.

8. Integration
Kinder, die in ihrer Entwicklung verzögert oder gestört sind, werden gerne
aufgenommen. Die notwendigen Integrationsmaßnahmen müssen besprochen und
entsprechend entwickelt werden.

Literaturhinweis:
Das Zitat zu Punkt 5.13 wurde der Inauguraldissertation von Peter Häfner, Thema:
„Natur -und Waldkindergärten in Deutschland – eine Alternative zum
Regelkindergarten in der vorschulischen Erziehung“ entnommen.